20260915: Drei-Stände-Ordnung klingt so unpersönlich

Nährstand: Arbeitende, Fleißige, Steuern Zahlende, im Krieg Verreckende, Rüstende, Regierende, Vermögende Beratende, Bankiers, Börsenanalysten, Börsenhändler, Pflegekräfte, Immobilienmakler, Feuerwehrfrauen und -männer, Ausbildende, Lehrende, Lernende, Politikerinnen und Politiker, Staatsanwälte, Richter … alle, die nicht zu Klerus und Adel gehören.

Lehrstand/Klerus: Alle nicht arbeitenden, dafür aber geweihten, geistlichen Amtsträger von Kirchen mit einem Weiheamt, insbesondere in der römisch-katholischen, den orthodoxen und der altkatholischen Kirche. Dazu zählen Diakone, Priester und Bischöfe, einschließlich des Papstes.

Wehrstand: Alle nicht arbeitenden, dafür mit Erbschaften bedachten Adelsleute und Ritter. Falls einer wieder mal auf Arbeitslose, Wohnungslose und Bürgergeldempfänger wegen Faulheit schimpft, hier mal ein Ausschnitt aus einer Auflistung heute noch aktiver Adelsgeschlechter bzw. -schlächter des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation:

Haus Habsburg-Lothringen: Das wohl prägendste Kaiserhaus des Reiches. Die Nachfahren der Habsburg-Dynastie leben heute in ganz Europa, das aktuelle Familienoberhaupt ist Karl Habsburg-Lothringen. Ihnen gehörte schon mal die Hälfte der Ukraine. Ein bedeutender Teil der heutigen Westukraine gehörte fast 150 Jahre lang zur Habsburgermonarchie. Die habsburgische Herrschaft über diese Gebiete begann mit den Polnischen Teilungen im Jahr 1772 und endete mit dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns am Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918, nur ein paar Monate, nachdem Russland keine Monarchie mehr war.

Haus Hohenzollern: Ursprünglich Grafen von Zollern, stiegen sie zu Burggrafen von Nürnberg, Kurfürsten von Brandenburg und schließlich zu deutschen Kaisern und Königen von Preußen auf. Die Familie existiert bis heute, aktuelles Oberhaupt ist Georg Friedrich Prinz von Preußen. Ein Sprössling dieser Familie ist Georgi Michailowitsch Romanow, Thronprätendent auf den russischen Zarenthron.

Haus Wittelsbach: Die Herzöge, Kurfürsten und Könige von Bayern sowie zeitweiligen römisch-deutschen Kaiser (wie Ludwig der Bayer) regierten über Jahrhunderte ein Kernland des Reiches. Das Haus Wittelsbach zählte jahrhundertelang zu den mächtigsten und einflussreichsten Dynastien im Heiligen Römischen Reich. Ferdinand von Bayern (1577–1650) regierte als einer der mächtigsten Kirchenfürsten des Reiches. Das kurkölnische Westfalen (insbesondere das Herzogtum Westfalen) entwickelte sich unter seiner Herrschaft zu einer Kernzone der reichsweiten Hexenverfolgung. Er ging als einer der radikalsten Verfolger in die Geschichte ein. Zwischen 1626 und 1631 wurden dort über 500 Menschen hingerichtet. Das Haus Bayern wird heute von Franz Herzog von Bayern geführt. Sein Kernland ist heute einer der wichtigsten Rüstungsregionen für den totalen Krieg gegen das seit 1917 aus dem Wiener Kongress ausgestiegene, also entmonarchisierte, Russland. Ob da eine Absprache mit den Habsburgern und den Hohenzollern über die Rückeroberung Russlands besteht?

Haus Wettin: Dieses sächsische Uradelsgeschlecht stellte Kurfürsten und Könige (sowie Könige von Polen). Die Linie teilt sich heute unter anderem in den ernestinischen Zweig (zu dem das britische Königshaus Windsor über Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha gehört) und den albertinischen Zweig (Haus Sachsen). Der Aufstieg dieses Hauses ist eng verknüpft mit den Ottonen und damit mit dem Aufstieg des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das ursprünglich sächsische Adelsgeschlecht stellte über seine Nebenlinie Sachsen-Coburg und Gotha (Windsor) die Monarchen einiger der mächtigsten und einflussreichsten Länder Europas, wie Belgien, Portugal und Bulgarien.

Haus Thurn und Taxis: Berühmt geworden durch den Aufbau des europäischen Postwesens im Heiligen Römischen Reich und später in den Fürstenstand erhoben. Das Haus besitzt bis heute umfangreichen Grundbesitz und Schlösser, wie das Schloss St. Emmeram in Regensburg (heutiges Oberhaupt: Albert von Thurn und Taxis). Dieses Haus ist heute, ohne jemals wirklich gearbeitet zu haben, Milliardär und sorgt über seinen Höfling in der Bayerischen Staatskanzlei bisher erfolgreich dafür, dass es keine Vermögenssteuer gibt.

Haus Baden (Zähringen): Die Markgrafen und späteren Großherzöge von Baden blicken auf eine jahrhundertealte Reichshistorie zurück. Im Heiligen Römischen Reich stiegen sie von regionalen Grafen zu einflussreichen Markgrafen (ab 1112), Reichsfürsten und schließlich zu Großherzögen auf. In ihrem Hoheitsbereich wurden 290 Todesurteile durch Verbrennung oder vorherige Enthauptung vollstreckt.

Haus Württemberg: Die Grafen, Herzöge und späteren Könige von Württemberg prägten den südwestdeutschen Raum maßgeblich (heutiges Familienoberhaupt: Wilhelm Herzog von Württemberg). 200 Todesurteile durch Verbrennung.

Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg: Ein westfälisches Grafengeschlecht aus dem Heiligen Römischen Reich, das bis heute auf seinen historischen Stammsitzen lebt. Das Haus Bentheim-Tecklenburg spielte als einflussreiches westfälisches Hochadelsgeschlecht eine bedeutende Rolle im Heiligen Römischen Reich – und nimmt zugleich eine außergewöhnliche Sonderrolle in der Geschichte der europäischen Hexenverfolgung ein. Im Gegensatz zu den berüchtigten „Hexenbrechern“ unter den geistlichen und weltlichen Fürsten des Reiches positionierte sich das Haus Bentheim-Tecklenburg als Gegner des Hexenwahns. Die Grafschaft gilt in der Geschichtsforschung als Paradebeispiel für eine Region, die sich dem kollektiven Verfolgungsdruck widersetzte.

Haus Schönburg: Ein altes sächsisch-thüringisches Adelsgeschlecht. Das weitverzweigte sächsische und böhmische Adelsgeschlecht (Grafen und Fürsten von Schönburg) existiert ebenfalls bis in die Gegenwart. Spielte im Heiligen Römischen Reich als mächtiges, reichsständisches Adelsgeschlecht eine historisch bemerkenswerte Sonderrolle. Hexenprozesse und Verbrennungen sind in den schönburgischen Herrschaften historisch gut dokumentiert, insbesondere in der Grafschaft Hartenstein und der Herrschaft Glauchau. Sie sollen aber im Gegensatz vieler anderer Herrscher von Lehr- und Wehrstand moderat vorgegangen sein.

Das Haus Fürstenberg (wobei historisch vor allem das westfälische Adelsgeschlecht in diesem Kontext relevant ist) nahm im Heiligen Römischen Reich eine bedeutende Rolle als regionale Machtstütze des Katholizismus ein und war über führende Familienmitglieder aktiv und im hohen Maße an den Hexenverfolgungen in Nordwestdeutschland beteiligt. Ein trauriges, historisch intensiv erforschtes Spezifikum der fürstenbergischen Herrschaft (insbesondere im Ort Fürstenberg, heute Bad Wünnenberg) war das generationenübergreifende soziale Stigma des „Hexenbluts“. Im lokalen Herrschaftsbereich setzte sich der Glaube fest, dass die Eigenschaft, eine Hexe zu sein, genetisch über das Blut vererbt würde. Dies führte dazu, dass über fünf Generationen hinweg (1601–1702) gezielt ganze Familien (die sogenannten „Teufelskinder“) kriminalisiert, vom sozialen Leben ausgegrenzt und immer wieder vor Gericht gebracht wurden. Sogar Kinder gerieten in diesen brutalen Verfolgungskreislauf.

Hohenlohe: Ein fränkisches Uradelsgeschlecht, das sich in zahlreiche Linien aufteilte (z. B. Hohenlohe-Schillingsfürst) und über Jahrhunderte hinweg hohen Einfluss im Reichstag ausübte. Als eines der bedeutendsten hochadligen Geschlechter Süddeutschlands prägte die Familie das HRR maßgeblich, während auf ihrem Territorium, wie in fast ganz Franken, der Hexenwahn wütete. Deren Grafschaften grenzten direkt an das Hochstift Würzburg und das Hochstift Bamberg – zwei der schlimmsten Verfolgungsgebiete in ganz Europa, in denen Fürstbischöfe Hunderte Menschen verbrennen ließen.

Waldburg: Ebenfalls ein schwäbisches Geschlecht, das im Reich das erbliche Amt des Reichserbtruchsesses innehatte und bis heute zu den großen privaten Großgrundbesitzern gehört. Das schwäbische Hochadelsgeschlecht des Hauses Waldburg spielte über Jahrhunderte eine zentrale politische Rolle im Heiligen Römischen Reich. Während es im Reich vor allem als loyaler militärischer und politischer Arm der Kaiser agierte, erlangte es in der Frühen Neuzeit traurige Berühmtheit als ein brutaler Treiber der Hexenverfolgungen und -verbrennung.

Fugger: Ursprünglich eine bürgerliche Händlerdynastie aus Augsburg, stiegen sie durch die Finanzierung der Habsburger Kaiser im 16. Jahrhundert in den Reichsfürstenstand auf und wurden somit Teil des Hochadels. Jakob Fugger „der Reiche“ finanzierte 1519 mit astronomischen Summen (über 500.000 Gulden) die Bestechungsgelder für die Wahl Karls V. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gegen dessen französischen Konkurrenten Franz I. Ohne das Geld der Fugger wäre die habsburgische Weltmachtpolitik, vielleicht einer der Auslöser des heutigen Ukrainekrieges, nicht denkbar gewesen. Als Gegenleistung für ihre Kredite erhielten die Fugger Schürfrechte für Silber, Kupfer und Quecksilber (u.a. in Tirol und Ungarn) und bauten ein europaweites Monopol auf. Die Fugger organisierten das Finanzwesen des Vatikans und verdienten am Ablasshandel mit. Die Empörung über diese Kommerzialisierung des Glaubens war einer der Hauptauslöser für Martin Luthers Reformation. Die Fugger selbst blieben stets streng katholisch. Während der großen Verfolgungswellen (ca. 1580–1630), die durch Missernten, Pestwellen und die „Kleine Eiszeit“ angefeuert wurden, kam es auch in fuggerschen Herrschaften (wie z.B. in der Grafschaft Kirchberg-Weißenhorn oder Babenhausen) zu Hexenprozessen und -hinrichtungen.

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